Was ist Internet-Mobbing und wie gefährlich ist es?

Was ist Internet-Mobbing und wie gefährlich ist es?Jeden kann es treffen. Die Rede ist hier von Internet-Mobbing oder auch Cyber-Mobbing. Weitere Begriffe sind hier das Cyber Stalking und das Cyber Bullying. Gemeint ist aber immer das Gleiche – es geht darum, eine andere Person im Internet oder mittels eines mobilen Gerätes zu belästigen. Die Demütigungen finden hier entweder als Video, SMS oder als Email statt. Ein weiteres sehr großes Problem im Internet stellt hier auch der Identitätsklau dar. Dies bedeutet, dass sämtliche Daten einer Person gehackt werden, um in deren Namen andere Menschen zu beleidigen oder mit dem falschen Namen Geschäfte im Netz zu tätigen. Es ist vollkommen egal, welche Form sich der Täter aussucht – die Persönlichkeitsrechte des Opfers werden verletzt und es liegt ein strafrechtlicher Tatbestand vor, wobei das Cyber-Mobbing alleine in Deutschland noch kein eigener Straftatbestand ist. Lediglich die einzelnen Formen des Cyber-Mobbing sind strafbar.

Beweislage selten eindeutig

Im Gegensatz zum realen Mobbing ist es beim Internet-Mobbing schwer, die Täter zu identifizieren. Grund dafür ist, dass die Verleumdung oftmals nicht unter dem realen Namen stattfindet, sondern es werden Nicknames genutzt, wie es gerade in den sozialen Netzwerken üblich ist. Oft kommt es auch vor, dass sich sowohl der Täter als auch das Opfer in einer doppelten Rolle befinden. Man spricht man dann Täteropfer oder Opfertäter. Gemeint ist hiermit, dass das eigentliche Opfer versucht sich zu rächen und somit selbst zum Täter wird. Später lässt sich nur schwer herausfinden, wer mit dem Mobbing angefangen hat.

Die Motive

Die Motive sind hierbei sehr ausgeprägt, da man der Meinung ist, im Internet kann man alles ungestraft sagen bzw. schreiben. So werden in Chatrooms oder auf sozialen Netzwerken Außenseiter schikaniert oder Firmen versuchen, mittels einer falschen Aussage die Konkurrenz klein zu halten und zu schädigen. Aber auch Expartner verbreiten oftmals Unwahrheiten im Netz, wenn sie das Gefühl haben, dass sie einen Grund für Rache haben. Die Grenzen sind hier fließend, denn es gibt kaum eine Hemmschwelle andere im Internet zu verhöhnen oder auszulachen, denn man muss seinem Opfer ja nicht direkt in die Augen schauen. Diese Entwicklung wird auch als Online Disinhibition Effect (Online-Enthemmungseffekt) bezeichnet. Vielen Menschen fällt es schwer die eigenen Impulse und Gefühle zu zügeln, wenn es keine Kontrolle gibt.

Die Opfer

Bei den Opfern handelt es sich hauptsächlich um Kinder und Jugendliche, die auch im wahren Leben ein gutes Angriffsziel für Mobbing darstellen. Die Gründe sind hier nicht nur das Aussehen, sondern oftmals auch das Verhalten. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie Wilhelmstift in Hamburg sind die meisten Patienten im Alter zwischen 11 und 16 Jahren – egal ob Täter oder Opfer. Erschreckend ist nur, dass die Opfer gerade bei Eltern und Lehrern keine wirkliche Hilfe finden, denn denen ist die Problematik meist unbekannt, wird nicht erkannt oder als Kinderei abgetan.

Die Täter

Bei den Tätern hält sich die Waage zwischen Jungen und Mädchen relativ gleich. Knapp 20 % der Befragten gaben an, selbst schon mal Opfer von Internet-Mobbing gewesen zu sein. Viel schlimmer aber ist, dass die Täter ihre Aktionen vielmehr als schlechten Schwerz oder als Streich ansehen und kein echtes Unrechtbewusstsein entwickeln.

Die Symptome

Die einen sehen es als Scherz – für die Betroffenen ist es aber weitaus schlimmer. Sie leiden unter der sozialen Isolierung, Stress und psychischen Problemen, die bis zum Suizid reichen können. Die Selbstmordgedanken sind somit ein tief greifendes Problem. Es gibt aber auch Jugendliche, die mit dem Internet-Mobbing ganz anders umgehen – sei es, dass sie sich verweigern (Essstörung), Rückzug und natürlich auch die Verweigerung der Orte, die sie für den Hauptgrund des Mobbing halten.

Die Ursachen

Die Ursachen für das Internet-Mobbing sind sehr vielschichtig.

  • Angst: Man möchte nicht selbst Mobbingopfer werden. Aus diesem Grund ist man vorher selbst aktiv.
  • Anerkennung: cool sein, sich ein Prestige zu verschaffen
  • Interkulturelle Konflikte: unterschiedliche Nationalitäten, Sprachprobleme, Aussehen
  • Langeweile: aus Spaß wird ein Foto negativ bewertet
  • Macht: man möchte Stärke zeigen
  • eigene Minderwertigkeitskomplexe: von seinen eigenen Schwächen ablenken
  • persönliche Krisen: Ende einer Liebe, Freundschaft, Beziehung, Hass, Neid

Erschreckende Studie

Vor einiger Zeit wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Münster eine Umfrage in Auftrag gegeben, die zu folgendem Ergebnis kam. Knapp 40 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind vom Internet-Mobbing betroffen. Was aber noch schlimmer ist, rund ein ¼ der Bevölkerung gab zu, dass sie sich vorstellen könnten, auch als Täter im Netz aufzutreten.

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